Sicherheit im Alter rückt in Rosengarten in den Fokus

August 26, 2026

Rosengarten. Für viele ältere Menschen in der Gemeinde ist der Wunsch klar: Sie möchten so lange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben – und, wenn das nicht mehr geht, trotzdem in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.

Sicherheit ist dabei das große Wort. Sicherheit in der ambulanten Pflege, damit der Alltag zuhause auch dann gelingt, wenn Hilfe nötig wird. Sicherheit in der Nahversorgung, damit Supermarkt, Friseur, Apotheke und Bank ohne lange Wege erreichbar bleiben. Sicherheit bei der ärztlichen Versorgung, weil ein guter Draht zu Haus- und Fachärzten im Alter nicht Luxus, sondern Lebensqualität ist. Und schließlich Sicherheit beim Wohnen und Pflegen in heimatnahen Einrichtungen, wenn die eigene Mobilität nachlässt oder die Pflege zuhause an Grenzen stößt.

Die CDU-Rosengarten und ihr Bürgermeisterkandidat Friedemann Blaffert wollen diese Themen in der kommenden Wahlperiode stärker gewichten. Nach Angaben der Partei wurden in den vergangenen Monaten Gespräche mit Seniorinnen und Senioren, ambulanten Pflegediensten, Ärzten sowie Betreibern von Pflege- und Wohnangeboten geführt. Aus Sicht der CDU zeigt sich dabei: Kommunalpolitik müsse die Bedürfnisse älterer Menschen nicht nur verwalten, sondern vorausschauend in Planung, Infrastruktur und Versorgung einbeziehen.

Einen Schwerpunkt setzte dabei ein Austausch mit Kaspar Pfister, Gründer und Geschäftsführer der BeneVit Gruppe, die Pflegeeinrichtungen und Hausgemeinschaften betreibt. Anlässlich des 10-jährigen Bestehens vom „Haus Kiekeberg“ in Nenndorf waren unter anderem moderne Formen des Wohnens und Pflegens sowie die Frage, welche Rahmenbedingungen Kommunen schaffen können, die zentralen Gesprächsthemen. Nach Darstellung der CDU sieht Pfister insbesondere geeignete Flächen, verlässliche Verfahren und Wohnraum für Pflegekräfte als wichtige Voraussetzungen, wenn neue Angebote entstehen sollen.

Gute Gespräche anlässlich des Jubiläums vom BeneVit-Haus Kiekeberg in Nenndorf: BeneVit-Gründer Kaspar Pfister (v.l.n.r.), Karin Pfister-Lutz, Friedemann Blaffert und Thomas Flügge, Ortsbürgermeister von Nenndorf [Foto M. Grabe]

Damit wird Pflegepolitik vor Ort zur Standortfrage. Wer möchte, dass ältere Menschen in Rosengarten gut versorgt bleiben, muss auch dafür sorgen, dass Pflegekräfte hier arbeiten und wohnen können. Grundstücke für Einrichtungen, Wohnungen für Mitarbeitende und eine Verwaltung, die Projekte zügig und lösungsorientiert begleitet, gehören deshalb zusammen.

„Unsere Seniorinnen und Senioren haben Rosengarten über Jahrzehnte mitgeprägt. Deshalb gehört ihre Versorgung für uns ins Zentrum kommunaler Verantwortung“, sagt Friedemann Blaffert. Die CDU verbindet damit den Anspruch, kurze Wege, erreichbare Ärzte, eine starke ambulante Pflege und heimatnahe Wohn- und Pflegeangebote als gemeinsame Aufgabe der Gemeindeentwicklung zu behandeln.

Kurz gefragt – Interview mit Friedemann Blaffert

Herr Blaffert, warum steht das Thema Seniorenversorgung so weit oben auf Ihrer Agenda?
Weil es viele Familien in Rosengarten direkt betrifft. Die meisten älteren Menschen möchten so lange wie möglich zuhause bleiben. Dafür braucht es verlässliche ambulante Pflege, kurze Wege und eine Gemeinde, die diese Fragen frühzeitig mitdenkt.

Wo sehen Sie hier konkreten Handlungsbedarf?
An vielen Stellen. Ärzte, Banken, Pflegedienste und Betreuung. Die CDU-Rosengarten hat in den vergangenen Monaten bei ihren Ständen vor den Supermärkten konkret die Senioren befragt – wir nennen das „Punktekleben“. Die große Resonanz hat uns gezeigt, wo wir nach der Wahl konkret ansetzen sollen.

Was ist mit den ständig zurückgehenden Einkaufsmöglichkeiten?
Ich weiß, worauf Sie anspielen: Als „Klecker Jung“ hat es mich natürlich sehr getroffen, als ich von der Schließung der Bäckerei Danker hörte. Das ist sehr schade, denn Danker war mehr als nur tolles Brot und gute Brötchen. Danker war ein sozialer Mittelpunkt – gerade eben auch für die ältere Generation – quasi „Social Media“ ohne Smartphone, aber dafür mit echten Menschen.

Wie bewerten Sie sonst die Nahversorgung in Rosengarten?
Die Lebensmittelversorgung ist mittlerweile gut aufgestellt mit Märkten in Klecken, Nenndorf und Vahrendorf. Dort hat man auch schon teilweise einen Hol- und Bringservice eingeführt. Das Warensortiment ist, soweit ich es sehe, gut und vollständig. Beim EDEKA in Vahrendorf tut sich etwas. Seitdem die Familie Meyer den Markt übernommen hat, spürt man Innovationen und eine gute Entwicklung.

Wie sehen Sie die medizinische Versorgung?
Natürlich: Die ärztliche Versorgung könnte besser sein. Die Anzahl und Verteilung von Kassenärzten wird in Deutschland durch die Kassenäztliche Vereinigung ermittelt. Hier liegen Theorie und Praxis weit auseinander, denn unsere Gemeinde soll angeblich sogar „überbelegt“ sein. Das schauen wir uns genau an, denn in ländlichen Räumen mit großen Flächen muss man sicher anderes denken als in dicht besiedelten Städten.

Aber auch vorhandene, zugelassene Ärzte bekommen oft keine Nachfolger…
Ja, das ist natürlich besonders bitter, wenn bestehende Zulassungen verloren gehen. Hier gibt es aber durchaus Möglichkeiten, jungen Ärztinnen und Ärzten Anreize zu schaffen, nicht in die Stadt, sondern auf’s Land zu gehen. Familienplanung, gute Kitas, gute Schulen, gute Luft und eine lebendige Dorfgemeinschaft sind das eine – ich bin dafür ja das beste Beispiel. Aber es gibt auch tolle Beispiele, wie andere Gemeinden damit erfolgreich umgehen – und vielleicht kann man sich ja selbst daran ein Beispiel nehmen.

Was hat der Austausch mit Kaspar Pfister gezeigt?
Das BeneVit-Modell hat mich sehr überrascht. Es ist viel mehr als nur Pflege im Alter. Pfister will mit BeneVit die älteren Menschen vital machen und motivieren, so lange wie möglich selbstständig zu bleiben. Ein toller, ganz anderer Ansatz als üblich.

Was unterscheidet BeneVit von anderen Modellen?
Ganz einfach ausgedrückt: Nicht so schnell wie möglich die höchste Pflegestufe erreichen, um viel Geld zu generieren, sondern ganz im Gegenteil: Pfister will sogar den älteren Menschen so fit machen, dass man die Pflegestufe senken kann.

Aber ist das nicht wirtschaftlich schwierig?
Das dachte ich auch, deshalb habe ich auch sehr intensiv nachgefragt. Nach Aussage von Kaspar Pfister ist sein Modell sogar wirtschaftlicher als andere, weil er nahezu keine Leerstände hat und damit eine sehr gute Ausnutzung der Häuser sicherstellt. Und der Pflegeaufwand ist eben auch geringer, wenn die Personen in den Wohngruppen maximal selbstständig sind und dies so lange wie möglich bleiben.

Was war sein Appell an Sie als künftigen Verwaltungschef?
Er hat deutlich gemacht, dass gute Pflegeangebote nicht allein von Betreibern abhängen. Kommunen können unterstützen, indem sie geeignete Flächen prüfen, Verfahren beschleunigen und Wohnraum für Pflegekräfte mit in den Blick nehmen.

Was wäre aus Ihrer Sicht ein konkreter nächster Schritt?
Wir brauchen einen Überblick, wo in Rosengarten Pflege, ärztliche Versorgung und Nahversorgung gut funktionieren – und wo Lücken entstehen. Daraus sollten konkrete Maßnahmen für die neue Wahlperiode abgeleitet werden.

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